Dienstag, 27. Januar 2015

Von gebrochenen Kiefern und anderen Katastrophen

Da muss ich tatsächlich 28 werden, um mir das erste mal in meinem Leben  so richtig was zu brechen. Nicht einfach nur einen Fingernagel oder die Ecke eines Zahns... nein. Ein Knochen! Aber von Anfang an!

Bitte lest nur weiter, wenn ihr ein bisschen was abkönnt. Meine Beschreibungen sind teilweise ziemlich detailliert ;) Und der Text ist echt laaaaaaaaaang :x




Letzten Freitag Abend wollte ich einen schönen Abend mit meinem Mann genießen. Wir hatten mittags sehr lecker in einer neuen Pommesbude im Nachbardorf gegessen, waren in den Niederlanden einkaufen und saßen jetzt vor dem Fernseher. Das Dschungelcamp, natürlich!
Wir hatten leckere Fanta mitgebracht, der ich, dieses Jahr statt Alkohol, sehr viel zugesprochen hatte, daher musste ich zwischendurch mal schnell pinkeln. Da war noch alles in Ordnung. Kaum saß ich wieder auf dem Sofa, hatte ich wie aus dem Nichts Unterleibsschmerzen. Genau an der gleichen Stelle wie bei Regelschmerzen, aber nicht als Krampf, sondern stetig mehr werdend.

Ich dachte, ich muss einfach mal schnell... äääähhh... den Darm entleeren, also schleppte ich mich nochmals ins Bad. Ausgerechnet, wo die Prüfung beginnt, muss ich länger aufs Klo.... Hmpf! Ich setzte mich also aufs Örtchen und auf einmal wurde mir schwarz vor Augen. Jeder, der mal ohnmächtig geworden ist, weiß, was das für ein beklemmendes Gefühl ist. Jetzt nur nicht umkippen!
Ich beugte mich nach vorne, lehnte die Ellenbogen auf die Knie und versuchte, durchzuatmen... Vielleicht wird es ja besser!

Das nächste, was ich dann weiß, ist, wie mir kalt ist. Und... was ist das denn? Ich liege auf dem Boden!? Bewegungsunfähig. Ob mein Gehirn zu dem Zeitpunkt noch nicht mitmachte, oder ich mich einfach nur nicht traute, weiß ich bis heute nicht.  Mein Mann neben mir war vermutlich genau so geschockt wie ich. Er sammelte auf mein Flehen hin erst mal meinen Fuß aus dem Regal neben dem Klo und strich mir vorsichtig die Haare aus dem Gesicht. Ich lag einmal quer durchs Bad, auf der rechten Seite meines Kopfes. Er versuchte, meinen Kopf anzuheben, um darunter verfangene Haare zu befreien, damit ich besser atmen und sehen konnte. Auf einmal war meine Kraft wieder da und ich erhob mich selbst Stück für Stück. Nun sah ich, was meinen Mann extrem besorgt dreinschauen ließ: da, wo vorher mein Kopf gewesen war, prangte eine handgroße Blutlache auf unseren weißen Fliesen. Ich war total unter Schock, schrie, weinte, zitterte. Ich kann Blut eigentlich gut sehen, immerhin hab ich bei einem Chirurgen gearbeitet. Aber das da war ja meins und dann so viel davon, aus meinem Kopf. Wir glaubten, ich sei auf mein Ohr gefallen und meine Tunnel hätten es verletzt. Mein ganzes Gesicht sowie mein Hals waren eingeschmiert. Mein Mann wusch mich ein bisschen, dann konnte ich mich selbst hinstellen und schlich ins Wohnzimmer.

Während mein Mann das Bad reinigte, fragte er mich, ob ich ins Krankenhaus wollte. Natürlich wollte ich! Ich sagte ihm, wo mein Portmonee war, welche Schuhe und Jacke ich haben wollte, was er mir alles brachte und anzog, dann machten wir uns auf den Weg nach unten. Scheiße.... noch nie hab ich es so bereut, im zweiten OG zu wohnen. Auch wenn ich aktuell nur noch 86kg wiege, kann ich es meinem Mann natürlich nicht abverlangen, mich zu tragen. Also bin ich Stufe für Stufe runter. Die Nachbarn kamen auch heraus, erzählten, dass sie das Polstern und meine Schreie gehört haben. Wir gaben nur schnell Auskunft und fragten nach Taschentüchern. Ich weinte immer noch und das war das einzige, was ich für diesen Moment vergessen hatte mitzunehmen. Natürlich hatten sie welche da. Weiter gehts!

Mein Mann fuhr mich in meinem Auto zum Krankenhaus. Ein gewagter Schritt, denn er ist Diesel gewöhnt, mein Auto ist aber ein Benziner. Ausserdem war es spiegelglatt, bei uns wütete ja wenige Stunden später das Schneechaos. Aber wir kamen heil an.

Im Krankenhaus begann der Ärger. Auch wenn ich selbst natürlich weiß, dass die Karte wichtig ist, fand ich es nicht so prickelnd, dass ich erst danach gefragt wurde, statt nach dem Wunsch um einen Sitzplatz. Also stand ich zitternd, weinend und blutüberströmt an der Anmeldung, während mein Mann mich stützte und ich wie Espenlaub zitterte.  Schmerzen hatte ich die ganze Zeit über nicht. Zum Glück kam die Nachtschwester dann doch recht schnell, die war auch sehr nett. Ich wurde in einen Behandlungsraum geführt, auf dem ich mich auf die Liege legte. Die bald eintreffende Ärztin fragte nach meiner Story erst mal, ob ich die Regel hätte, was ich verneinen konnte. Ob ich schwanger werden wolle oder schwanger sei? Wieder nein. Trotzdem sollte ich Urin abgeben, um einen Test zu machen. Na gut denn. Ausserdem Blutentnahme, EKG, Sauerstofftest, weitere Urin-Tests. Zwischendurch wurde die Wunde am Kinn genäht. Aha, daher also das Blut!

Während der Auswertung wurde ich zum Röntgen geschickt. Dieses mal bekam ich wenigstens ein Art Rollstuhl, mein Man fuhr mich. Die Röntgenlady war auch nett, ignorierte aber irgendwie total, dass meine Bewegung ziemlich eingeschränkt war. Meine Halswirbelsäule machte nur bis zu einem gewissen Rotationsgrad mit. Ausserdem war sie außer Lage, mir einfache Anweisungen zu geben, was die Zusammenarbeit sicherlich sehr vereinfacht hätte. Stattdessen packte sie meinen Kopf und versuchte einfach, mich zu drehen. Irgendwie haben wir es dann aber doch geschafft und ich konnte zurück in den Behandlungsraum.

Dort wurde ich schon erwartet. Der Schwangerschaftstest sei negativ, es gäbe aber minimal rote Blutkörperchen im Blut. Nichts weltbewegendes, es war mit dem Auge nicht sichtbar, ausserdem konnte das zum Beispiel auch durch Rasurverletzungen entstehen. Jedoch wurden in meinem Blut veränderte Werte gefunden; Ich habe eine Schilddrüsenüberfunktion. Trotz der bizarren Situation freute ich mich, denn dies könnte der Grund sein, warum ich mich in den letzten Wochen so schwer tat, weiter abzunehmen Ein Hoffnungsschimmer in dieser eigenartigen Nacht!

Die Ärztin tippte fleißig ihren Bericht, ich stellte hier und da fragen, beantwortete auch ihre. Im Verlauf kamen wir auf die Idee, die Unterleibsschmerzen gynäkologisch abzusichern. also rief sie auf der Station an. Die diensthabende Ärztin gab offen zu, angepisst zu sein, weil man sie geweckt hatte (es war inzwischen fast 1 Uhr nachts) und meinte, das müsse nicht jetzt sofort sein. Na danke. Ich mein... ich hatte solche Schmerzen, dass ich davon bewusstlos wurde! Die waren zwar jetzt weg, aber irgendwo her müssen die ja gekommen sein. War mir in dem Moment dann aber doch relativ egal.

Auf einmal kam eine zweite Ärztin rein, die sich wohl irgendwo mit einem dritten Arzt wegen meiner Röntgenbilder beratschlagt hatte. "Ihr Kiefer ist gebrochen!" Das könnte doch gar nicht sein, ich hab doch nicht mal Schmerzen! Allerdings musste ich zugeben, dass meine Zähne beim Schießen des Mundes nicht mehr so wie gewohnt aufeinander lagen, irgendwie nach links verschoben. Meine Ärztin tastete mich ab und bei einem bestimmten Punkt konnte sie wirklich Schmerzen hervorrufen. Aber immer noch nicht der Rede wert. Auf einmal kam man auf den Trichter, ich solle am nächsten Tag in die Uniklinik in Aachen, um das ganze sichern zu lassen. Links sei man sich ziemlich sicher, auf der rechten Seite gab es eine so genannte "Doppellinie", wo man sich nicht sicher sei. In der Zwischenzeit wurde ein Transportschein ausgedruckt und ich bekam einen Kopf-Kinnverband zum Fixieren, der meinen Kiefer, der sich bis hier schon wieder in die richtige Position zurückversetzt hatte, wieder schief schob...

Als ich nach dem weiteren Verlauf fragte, wollten die Damen mich allen Ernstes dabehalten. Das lehnte ich vehement ab, worauf ich nur ein stupides "Warum?" aus beider Mündern zurückbekam. Einfach weil iss. Ich sah es schlichtweg nicht ein, wegen so einer Lappalie im Krankenhaus zu bleiben. Ich wollte ja eh nur schlafen und mein Mann würde mich dann bringen. Also musste ich diesen berühmten Wisch unterschreiben, dass ich gegen ärztlichen Rat das Krankenhaus verlasse.


Die Ärzte in Stolberg hatten mir gesagt, wir sollten  um 8 Uhr am Klinikum sein. Das haben wir gemacht und wurden böse überrascht. Die Zahnärztliche Notaufnahme beginnt am Wochenende erst um 10 Uhr zu arbeiten. Na super, also erst mal 2 Stunden totschlagen. Cafeteria fiel für mich aus, denn mir war schon nachts gesagt worden, dass ich jetzt nüchtern bleiben sollte, falls ich direkt operiert würde. Das einzige, was ich wagte, waren insgesamt vielleicht 2 Schluck Wasser. Immerhin darf man ja auch Medikamente mit etwas Wasser einnehmen. Um halb 10 ging die Tür zur ZNA tatsächlich schon auf, ich musste erst mal einen riesigen Anamnesebogen ausfüllen und wurde dann hereingebeten. Das erste, was mein Arzt nach der Begrüßung tat, war mir den Verband abzunehmen. "Son'n Mumpitz!" Hier wurden auch die ersten neurologischen Tests gemacht... Den Finger des Arztes mit den Augen verfolgen und so. Wurde in Stolberg alles nicht gemacht. Ich mein, hallo!? Ich bin auf den Kopf gefallen!!

Nach ersten technischen Problemen wurde ich erneut geröntgt, während mein Arzt nicht müde wurde, zu betonen, dass die Aufnahme von Vorne eigentlich gar nicht mehr genutzt würde, weil es da zu oft zu Überlagerungen der Knochen käme und man Dinge sieht, die gar nicht da sind. Also musste ich wieder einmal alles abnehmen, was keine Miete zahlte. Dieses Mal wurde auch darauf bestanden, dass nicht nur die Tunnel, sondern auch das Zungenpiercing rauskommt. Bei der Gelegenheit habe ich mich direkt endgültig davon getrennt! Dann wurde eine Aufnahme im zahnmedizinischen Röntgengerät gemacht, wo das ganze so um einen herum rotiert. Ich wurde noch mal herausgebeten, damit die Aufnahme ausgewertet wurde. Als ich wieder reindurfte, bestätigte der Arzt den Verdacht des Bruches auf der linken Seite. Rechts wäre wohl wirklich rein gar nichts, aber links müsse operiert werden und daher wurde ich sofort aufgenommen. Zum Glück hatte ich schon eine Tasche mit Kleidung etc im Auto. Nachdem der Arzt mich erst zu einem CT zur Absicherung und dann zu meiner Abteilung gebracht hatte, holte mein Mann diese und dann begann das warten. Ich richtete mich häuslich ein, zog statt der Jeans eine Leggins an und genoss, bis dato keinen Zimmernachbarn zu haben. Wir holten mir eine Telefonkarte, mit der ich dann an meinem eigenen Bildschirm auch fernsehen und Radio hören konnte (nie wieder der Alte Streit mit Nachbarn, ob man abends WWM oder Tatort guckt! Kommen die überhaupt gleichzeitig?) 


Immer wieder kam der Arzt und sagte, dass ich noch nicht operiert werden könne. Einmal war ein Schlaganfall-Patient auf dem Tisch, dann wieder, bei dem Schneechaos verständlich, ein Unfallopfer. Im UKA geht alles nach Wichtigkeit/Gefährlichkeit der Verletzung. Mir ging es ja gut und so meinten die Anästhesisten, dass ich noch warten kann. Zwischendurch erklärte er mir, was gemacht werden sollte und was es für Risiken gäbe. Man wollte von außen an den Kiefer ran und eine Platte, eine sogenannte Ostheosynthese, anbringen, sowie die Kiefer schienen. An die Schiene kann man, wenn der Kiefer sich wieder verschieben sollte, diese Gummies, die man auch bei festen Zahnspangen bekommt, anbringen.

Zwischenzeitlich hatte ich echt Hunger und Durst, aber weil man nicht absehen konnte, wann ich vielleicht doch mal dazwischen kann, musste ich weiter nüchtern bleiben. Daher fragte ich irgendwann, ob ich denn wenigstens einen Zugang bekommen könnte, damit man mir Infusionen legen kann. Da war es schon nach 2 Uhr mittags. Ich hab noch nie erlebt, dass eine Krankenschwester so schnell laufen kann. Ehe ich es mich versah, hatte ich einen lebensrettenden Fiffi und wenig später war zumindest das Durstgefühl in der Tat besser zu ertragen.


Mein Mann war den ganzen Tag bei mir, versuchte, ein bisschen für eine Klausur zu lernen und lehnte ab, sich etwas zu essen zu holen. Nach eigener Aussage hatte er keinen Hunger. Inzwischen hing ich an der dritten Flasche mit Kochsalzlösung, hatte etwas ferngesehen, gelesen und mich gelangweilt. Gerade, als das Dschungelcamp begann, ging die Tür wieder auf und mein Arzt kam freudestrahlend herein. "Es kann losgehen, schnell umziehen, ich bring sie runter!" Er ging wieder raus, ich hüpfte zittrig in OP-Hemdchen und Thrombosestrümpfe (ernsthaft, die sind des Teufels!) und wollte ihm hinterher laufen. Aber ich wurde zurückgeschoben. "Nee, nee, schon auf dem Bett!" Mein Mann hatte schnell mein Hello-Kitty-Kissen heruntergenommen, ich zog sämtlichen verbliebenen Schmuck und meine Uhr aus und dann ging es auch schon los.

Mein Arzt brachte mich persönlich nach unten zum OP, da er, wie er es ausdrückte, mit dem Fahrdienst auf Kriegsfuß stand, da man immer ewig warten konnte, bis mal einer kam. Wir unterhielten uns ein bisschen, scherzten über seine anscheinend nicht vorhandenen Künste, mt dem Bett nicht jede einzelne Ecke mitzunehmen und er sagte mir, dass ich mit dem Anästhesisten sehr viel Glück hätte. Der würde sich mit Verletzungen wie meiner sehr gut auskennen und wüsste ganz genau, was zu beachten ist. Nach ca. 10 Minuten, 2 gesperrten Aufzügen ("Jeder dämliche Bluttransferläufer kann in die Aufzüge, aber als Arzt kann man damit nicht zu seiner OP!?!?") und viel Gelächter später waren wir endlich da. Ich wurde den Anästhesisten vorgestellt und dann ging es auch schon in den achteckigen (!) OP-Raum. Mein Zugang wurde kurz durchgespült, nach der letzten Infusion war ja etwas Zeit vergangen, ich bekam sehr viele beruhigende Worte und noch mehr Gelegenheit zum Lachen und dann kam der Break. Ich merkte nur noch eine kühle Flüssigkeit, während ich angewiesen wurde, den Sauerstoff durch die aufgerückte Maske tief einzuatmen und dann war ich schon weg. Ich habe wirklich gar nichts von der OP bemerkt.

Sehr viel später wachte ich in meinem Zimmer auf. Ich griff rechts neben mich. Dort sollte sich eigentlich die elektrische Vorrichtung von meinem Hightech-Bett befinden, dass den Kopfteil etwas anheben sollte. Nichts. Weder das kleine Kästchen mit den Tasten, noch das niedrige Gitter. Ich schaute zu meinen Füßen, sah das grüne Material des Bettes und wusste: Mein Namenaufkleber, den mein Arzt extra auf meinem tollen Bett angebracht hatte, hat nichts genützt. Das hier ist ein altes. Man hat mir mein Bett geklaut! Zum Glück waren alle Wertgegenstände auf Station und ein altes Bett ist besser als keins.

Ich griff zum mir verbliebenen Kästchen und rief damit die Nachtschwester. Die kam auch sofort, und ich bat darum, eine der beiden Decken wegzunehmen. Das wurde gemacht. Dann wollte ich auf Toilette, was man mir interessanterweise gestattete. Eine der beiden Schwestern stützte mich und bat mich, die Türe auf zu lassen, während sie wieder zum Bett ging und alles etwas richtete. Den Rückweg trat ich bereits alleine an, mir ging es prächtig. Etwas benebelt, aber schmerzfrei und kräftig.

Dann fragte ich, ob ich jetzt etwas trinken dürfte.  Sofort brachte man mir ein Glas und ein Tetrapack mit stillem Wasser. Nachdem sich beide Schwestern davon überzeugen konnten, dass ich in der Lage war, mich selbst zu bedienen, wurde mir der Tropf abgenommen und ich durfte weiterschlafen. Ein paar Stunden später wurde ich mit Frühstück geweckt. Statt auf meinem Nachttisch wurde mein Tablett auf dem Tisch am Fenster abgestellt, so dass ich gezwungen war, wiederum aufzustehen. Gar kein Problem. Und hey! Am Fenster war das Handnetz viel besser als am Bett :D



Mein Frühstück sah schlimmer aus, als es war, denn der braune Pamp stellte sich nah dem ersten Löffel als recht schmackhafter Karamellpudding heraus. Dazu bekam ich Frischmilch, Kaffee, Saft und eine Schokomilch. Also mehr als genug zum Sattwerden. Den Saft und die Schokomilch hielt ich erst mal zurück, den der Pudding war genug, um mich trotz knurrendem Magen pappsatt zu machen. So war ich wegen des Mittagessens schon nicht mehr sooooooo nervös. Wenn das Frühstück schon schmeckt, kann das ja nicht schlimmer werden. Nachdem mein Tablett weggeräumt worden war, kam ein Arzt, fragte mich nach meinem Befinden, ließ mich ihm die Schiene zeigen und schickte mich dann kurzerhand wieder in die ZNA zum Kontrollröntgen. Er schrieb mir auf, welchen der unzähligen Aufzüge ich benötigte und war schon wieder verschwunden. Also zog ich mich schnell zu Ende an, meldete mich bei der Stationsschwester ab und machte mich auf den Weg. Ich fand das auch gar nicht schlimm. Mir ging es immer noch gut und ich wusste, je mehr ich selbst laufe, desto weniger bin ich auf Thrombosespritzen angewiesen. Ich kam auch wohlbehalten wieder in meinem Zimmer an.

Ich habe den restlichen Vormittag vorrangig mit Lesen verbracht, um kurz vor 12 kam dann mein Mann wieder und brachte mir noch ein paar Kleinigkeiten mit, die ich Freitag Abend beim Packen vergessen hatte. Fast gleichzeitig kam auch eine neue Patientin ins Zimmer, eine patente End-Fünfzigerin, die bald an den Venen operiert werden sollte. Irgendwie war sie ganz nett, aber bei ihrem Mann hat sie echt Haare auf den Zähnen xD

Als Mittagessen gab es dann tatsächlich was leckeres. Ich habe es als Blumenkohl-Cremesuppe identifiziert. Gut gewürzt, schöne Konsistenz, wiederum sehr sättigend. Nachdem mein Mann weiter versucht hatte zu lernen und ich etwas ferngesehen hatte, wollte wir das Krankenhaus etwas erkunden und landeten kurzerhand in der Cafeteria. Eigentlich wollten wir nur einen Kaffee trinken, aber da liefen so viele andere Leute mit ihren Kuchenstücken herum, dass ich zur Kuchentheke zurückschlich und ein Stück Torte kaufte, dass zu quasi 90% aus Sahne und Vanillepudding bestand. Der Plan war, dass mein Mann den Boden bekommt. Der stellte sich aber als so zart heraus, dass wir uns das Stück einfach generell teilten, damit er auch was abbekam. Ich war wirklich fröhlich und mein Mann auch, wenn wenn ich so reinhaue, bedeutet das in der Regel, dass es mir gut geht. Gerade bei so was abwegigem! Ich war ja gerade mal 12 Stunden aus dem OP heraus und saß schon vor einem Stück Torte.


Mein Mann fuhr schon relativ früh wieder ab, weil er beruflich nach Mannheim musste. Ihm tat das sehr leid, aber ich war in guten Händen, die Katzen hatte er ausreichend versorgt und er musste nun mal am Montag diese blöde Klausur schreiben. Ich habe den Abend und den kompletten Montag mit Lesen, Fernsehen und schlafen verbracht. Meine Nachbarin schnarchte Abends wie ein Tier, aber ich hab einfach meinen iPod angeschaltet und in eine Lautstärke geschaltet, die sie übertönte, mich aber nicht am schlafen hinderte. Dann ging es ganz gut und ich musste morgens sogar von der Schwester wachgerüttelt werden. Ich habe einen wirklich festen Schlaf. Gut für mich, das ist gesund!

Da es mir jetzt schon sehr viel besser ging, habe ich tatsächlich die Kosmetika genutzt, die ich vorsorglich eingepackt hatte. Nur etwas BB Cream und ein unscheinbares AMU mit der Naked 3 Palette, aber ich fühlte mich direkt, als könnte mir keiner was. Ein bisschen Make Up und das Wissen, damit gut auszusehen kann einem so viel Kraft geben!

Gegen Nachmittag kamen 2 Studenten der zahnmedizinischen Fakultät zu mir. Anscheinend kam ich für ihr Referat ganz gegen, denn es sollte um Unterkieferfrakturen gehen ^^ Ich wurde gefragt, ob ich bereit wäre, heute vormittag in die Vorlesung zu kommen, zu erzählen, was passiert sei und ein paar Untersuchungen an mir machen zu lassen. Man wollte mich nur ein paar Bewegungen mit dem Mund machen lassen und die Nerventätigkeit mit 2 Tests untersuchen, um zu demonstrieren, wie man bei einer solchen Verletzung den Facialisnerv überprüft. Natürlich sagte ich zu, denn die beiden waren wirklich sehr nett und so hatte ich etwas zu tun. Ich wusste ohnehin schon, dass ich danach gehen dürfte.  Sie machten ein Foto von meinen Narben und verschwanden wieder. Man würde mich um Kurz vor 12 abholen.

Abends bin ich dann noch mal in die ZNA geschickt worde, aber dieses Mal aus eigenem Interesse. Bei meiner Unterkieferschiene stand ein Stück Draht echt dämlich nach vorne und piepste mich unentwegt und Fleisch. Das wurde mir zurechtgebogen und etwas Wachs draufgepappt als zusätzlichen Schutz. Ende vom Lied ist jetzt, wenn ich das Wachs behalten möchte, muss ich immer alles abkühlen lassen. Zu heißes Essen lässt das Wachs natürlich schmelzen. Da ich aber momentan eh nur schlecht essen kann und alles am liebsten erst mal lauwarm werden lasse, ist das kein Problem, was mich wirklich belasten würde.

Heute früh war ich tatsächlich ein bisschen nervös. Ich frühstückte meinen obligatorischen Pudding, zog mich ordentlich an und erweiterte mein frisches Make Up sogar um einen Eyeliner, was bei dem blöden Spiegel im Bad gar nicht so einfach war. Trotzdem war ich nachher vorzeigbar. Dann kam die Schwester und teilte mir mit, dass ich das Zimmer bereits um 11 Uhr räumen müsse, da eine Intensivpatientin kommen würde. Das war aber gar nicht schlimm, denn die Zeit konnte ich für ein paar Runden auf dem Gang nutzen und den Rest im Aufenthaltsraum, nur wenige Meter von der Stations-Kaffee-Maschine entfernt ^^ Die beiden Studenten waren auch recht früh da, sodass ich überhaupt nicht lange warten muss.


Bei der Vorlesung war ich dann so nervös, dass ich die Hälfte der spannenden Sachen total vergessen habe. Aber Spaß hatte ich trotzdem. Mein Fall wurde zuerst mal sachlich und mit jeder Menge Fachbegriffe dargestellt, danach durfte ich selbst reden, und zum Schuss musste ich meine Verrenkungen machen (Mund spitzen und breit grinsen) sowie angeben, ob ich mit einer spitzen oder stumpfen Sonde in die Wange gepiekst wurde. Zum Schluss musste ich meine Narben in die Kamera halten. Ja, das ganze wurde tatsächlich mit einer fetten Kamera gefilmt, um die Bilder sofort auf die riesige Leinwand zu bringen. Danach hätte ich  die Vorlesung weiter zu Ende verfolgen dürfen, aber ich hatte mir bereits eine Freundin organisiert, die mich dann abgeholt und nach Hause gebracht hatte.

Die größte Herausforderung in den nächsten Wochen wird meine Ernährung sein. Für insgesamt etwa 2 Wochen soll ich mich flüssig ernähren, also wie im Krankenhaus Pudding, Suppe, Joghurt.... später folgen dann noch so 3-4 Wochen breiige Kost. Schon etwas festere Pürees, matschig gekochte Nudeln... Lustig wird das nicht. Fleisch wird in der Zeit so gut wie komplett wegfallen, denn ich habe sicher nicht vor, mir ein Hühnchenbrustfilet zu pürieren. Vielleicht kann ich mir mal etwas Thunfisch unter ein Püree rühren, aber ansonsten werde ich meine Proteine durch Milchprodukte und sicherlich unzählige Whey-Shakes beziehen. Wenn ihr mit so was Erfahrung habt, immer her mit euren Idee. Aber bitte bleibt mir fern mit Tütensuppen oder 5-Minuten-Terrinen. Auch wenn ich derart "invalide" bin, will ich mich wie gehabt frisch und mit möglichst wenig Fertigprodukten ernähren. Um Pudding komme ich nicht herum, den ich sehe mich ausser Stande, einen hinzukriegen.  Aber Suppen etc. kann ich selbst, daher brauche ich da keine Hilfsmittel. Einen guten Mixer hab ich ja auch noch.



Ich hoffe, ich habe euch mit dem Wahnsinns-Text nicht gelangweilt. Ich wollte das einfach mal loswerden, nachdem ich in Gesprächen auf Instagram und Twitter immer nur Bruchstücke loswerden konnte, was auch den Zeichenbegrenzungen und dem schlechten Netz geschuldet ist. Ich will mit dem Post kein Mitleid erregen, dennoch freue ich mich natürlich über aufmunternde Worte.

Kommentare:

  1. Echt krass was dir da passiert ist :/
    Ich hoffe du bist bald wieder richtig fit!
    Das mit dem Essen ist echt schwierig. Würde dir gerne Rezept-Tipss geben, aber das einzige was mir einfällt ist Tomatensuppe mit Reis für deine »Brei-Phase«. Mir schmeckt das wirklich sehr gut.
    Ich lasse dir einfach mal einen Link da (: http://www.chefkoch.de/rezepte/1744031283421167/Altdeutsche-Tomatensuppe-mit-Reis.html

    Liebe Grüße und gute Besserung,
    Pati

    AntwortenLöschen
  2. Es gibt nichts schöneres, als kompetente Leute im Krankenhaus... Ich denk nur dran, als ich mit dem Musikus in einer Nacht zwei Notaufnahmen durchmachte, mit Verdacht auf Blinddarm. Heieiei. Bei der zweiten haben sie ihn dann dabehalten (und ich hab mich geweigert, ihn wieder mit nach Hause zu nehmen XD), da war er dann zwei Nächte. Da war der Pfleger in der Notaufnahme echt Gold wert ^^. Aber die Dame am Empfang mußte ich auch erst zweimal drauf hinweisen, dass mir der Musikus gleich umkippt, wenn er weiter auf den unbequemen Stühlen hocken muß *grummel*
    Wünsche Dir auf jeden Fall gute Besserung, genug Auswahl beim Essen (ich bin da leider der ungeeignste Tipgeber ever, fürchte ich :/) und toitoitoi, dass es schnell vorbei ist!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich danke dir. Zum Glück kann ich doch recht gut kochen und lass mir auch nix vermiesen. Im Moment schlürfe ich ne Tütensuppe, die wir noch im Schrank hatten und die sowieso wegmussten. Die nudeln darin zerdrücke ich etwas zwischen Zunge und Gaumen und ansonsten wird rücksichtslos runtergeschluckt, was sich nicht zerkleinern lässt xD

      Löschen
  3. Wow krasse Geschichte, die musste ich jetzt noch direkt lesen, das hat mich nicht losgelassen^^
    Ich bin tatsächlich als Kind mal volle Omme aufs Kinn gefallen und tausend Tode gestorben, das tat so dermaßen weh, unglaublich... und du hattest kaum Schmerzen nach dem Sturz?

    Was die Ernährung angeht, würde ich wohl jeden Tag ein anderes Süppchen pürieren und viel Sojajoghurt futtern, da gibt es viele tolle Sorten von Alpro... äh ja und dann hört´s auch schon auf^^ vielleicht allgemein Kartoffelpü, Selleriepü etc.?

    Ich wünsche dir jedenfalls gute Besserung!!! Kommt denn das Drahtzeugs bzw. die Schiene irgendwann wieder raus?

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Joa so ann das gehn :xSellerie mag ich gar nicht, ich hab schon Süßkartofelpü gemacht, das mag ich zum Glück. Aber eigentlich ist das noch zu fest. Suppe mach ich shcon ohne Unterlass, genau so wie Joghurt und Pudding und so. Ich muss da aber echt stark selektieren, da viele Jogurts halt Stücke haben und kauen geht momentan absolut nicht :/

      Die Schiene kommt hoffentlich nächste Woche raus, die Platte auf dem Kiefer in 6 bis 9 Monaten.

      Löschen
  4. Wow, das ist mal ne Story! Und im Unterleib ist noch nichts wieder passiert? So ein Glück!
    Erstmal wünsche ich dir gute Besserung

    Ich überleg gerade, ob ich irgendeinen Tipps fürs Essen habe ... Kürbispürree/-suppe müsste bei dem Wetter auch noch zu kriegen sein oder? Oder eventuell Spinat, Grünkohl etc? Das kann man ja auch ohne zu kauen runterschlucken ^^

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Kürbis mag ich leider lieber am Stück, also gewürfelt im Auflauf oder so xD aber so langsam traue ich mich shcon an sehr weichgekochte Nudeln und so ran. Ich kann keinen Papp mehr sehen und will endlich mal wieder ein Steak xD

      Nee, mitm Unterleib war seitdem nix mehr... Woran das alles lag, weiß bis heute immer noch keiner.

      Löschen
    2. Kürbis am Stück hab ich mich bislang noch nicht getraut ... wird wohl irgendwann auch mal Zeit ;)

      Löschen